Der Elon Musk-Effekt

10 Minuten Lesezeit
#invest#crypto
Zusammenfassung ↬

Elon Musk kann mit einem Tweet einen ganzen Markt beeinflussen. Zu glauben, dass er Aussagen ohne Kalkül trifft ist eher weltfremd. Ob du davon profitieren kannst? Eher nicht, und wir erklären dir in unserem Artikel auch warum

Elon Musk Dogecoin Logo und Twitter Logo auf einem BildMit einem geschätzten Vermögen von 273,6 Milliarden US-Dollar wird Tesla-Chef Elon Musk so schnell wohl nicht beim Arbeitsamt vorstellig werden. Neben der Elektroautofirma Tesla ist der US-Milliardär jedoch auch in anderen Geschäftsbereichen umtriebig. Erst kürzlich erwarb Musk entscheidende Anteile am sozialen Netzwerk Twitter und erwägt nun, die gesamte Übernahme beim Nachrichtendienst durchzuführen. Anleger beobachten diese Entwicklung dabei ganz genau, denn ein Kauf von Twitteraktien könnte sich in diesem Zuge eventuell auszahlen. Der Einstieg von Musk ließ die Aktiezeitweise um fast 30 Prozent auf rund 50 Dollar steigen.

Es wäre dabei nicht das erste Mal, dass Elon Musk einen Einfluss auf den weltweiten Kapitalmarkt nimmt. Manche Analysten sind jedoch uneins, ob die Twitter-Geschichte tatsächlich einen Musk-Effekt auslöst. Denn bereits bei einem anderen Projekt gab es eine vergleichbare Geschichte: Die beim Kryptocoin Dogecoin. Ihr hat der Tesla-Chef schließlich schon im Jahr 2021 zu einer wahren Rally verholfen. Und nach dem Exzess kam der Kater.

To the Moon – Der Dogecoin

Der Dogecoin wurde 2013 von dem Programmierer Billy Marcus und dem Vermarkter Jackson Palmer entwickelt. Sie positionierten den Coin zunächst als Scherz: Die Visitenkarte von DOGE war ein Meme mit einem Hund namens Kabosu. Dieser Shiba-Inu-Hund wurde von einer Japanerin gerettet und adoptiert. Sie postete das Bild von seinem markanten Gesicht schließlich auf ihrer Seite. So kam eines zum anderen.

Doch auch die Grundidee von Dogecoin war eine andere: Während Bitcoin etwa aktiv die Blockchain-Technologie nutzt, verwendet DOGE ein Skript. Nicht nur Projektprogrammierer können so an der Entwicklung der Währung mitarbeiten, sondern auch andere User, sofern sie über die entsprechenden Programmierkenntnisse beherrschen. Diese Technologie birgt allerdings ein gewisses Risiko gehackt zu werden. Die Vorteile liegen dagegen auf der Hand: Der Preis wird durch die Leichtigkeit des Minings und das Fehlen von Beschränkungen für die Anzahl der Münzen positiv beeinflusst.

Und dann kam Elon Musk. Aus bisher unbekannten Gründen unterstützt der Tesla-CEO den Coin. Und seine Aussagen haben direkten Einfluss auf den Kurs. Das geflügelte Wort „To the Moon“ geistert dabei schon seit einiger Zeit durch das Internet. Wenn Musk ankündigt, den Coin zu kaufen, gehen viele Nutzer steil – mit dem Risiko natürlich, dass auch dies wieder nur ein Scherz war. Tatsächlich ist der Dogecoin unfassbar volatil: Er kann innerhalb einer Woche um 400 Prozent steigen und ebenso schnell wieder fallen. Auch dabei ist der Anstieg fast immer durch Tweets von Musk beeinflusst, in denen er die Münze positiv einschätzt.

Nicht zuletzt glauben deshalb auch viele Kursanalysten, dass es gar keinen wirklichen Anstieg gibt, sondern nur eine emotionale Stimmung oder einen Hype. Auf der anderen Seite steigt die Akzeptanz: Erst kürzlich kündigte ein großes Online-Versandgeschäft an, dass es den Dogecoin als Zahlungsmittel zu akzeptieren prüft.

Musk bei Twitter – Will er, oder will er nicht?

Die nächste große Bombe schlug schließlich ein, als Musk – der das Netzwerk Twitter ohnehin schon für seine Dogecoin-Prognosen nutzt – den Kauf von Anteilen der Plattform verkündete. Das im Raum stehende Übernahmeangebot von rund 43 Milliarden US-Dollar scheint für einen vermögenden Mann wie Musk wohl eher ein Taschengeld zu sein. Trotzdem sorgt es für Kontroversen, das der bisherige CEO Parag Agrawal dem „kompletten“ Kauf der Plattform nicht ohne weiteres zustimmen möchte.

Kommt es etwa zu einer Übernahme durch Musk? Auch hier gibt es wieder viele Punkte die dafür, aber auch einige, die dagegensprechen. Zunächst kündigte Agrawal an, der Vorstand werde das Angebot weiterhin prüfen – kaufen lasse man sich jedoch nicht. Auch Musk sorgte derweil für Verwunderung: Erst kündigte er an, dass er einen Vorstandsposten bei Twitter gar nicht haben will, dann sprach er von einem „Plan B“, der wieder mehr nach Übernahme klingt. Ein schnelles Ende scheint also nicht in Sicht.

Fazit: Weder überstürzt Twitter-Aktien noch DOGE kaufen

Manchmal muss man im Leben schnell sein. Das gilt unisono für den Kauf von Kryptowährung zur rechten Zeit, als auch bei begrenzten, lukrativen Angeboten. Allerdings sollte man seinen kaufmännischen Verstand dabei zu keiner Zeit ausschalten. Aufgrund der mehr als volatilen Lage beim Netzwerk Twitter sollte man also keineswegs „auf Verdacht“ einen großen Anteil von Aktien kaufen. Es können am Ende des Tages zwei Dinge passieren: Der Kurs geht kurzzeitig durch die Decke – dann hat sich der Kauf gelohnt, wenn man dann jedoch wieder rechtzeitig abspringt oder – genauso wahrscheinlich – es passiert einfach nichts Weltbewegendes.

Denn anders als beim Dogecoin – bei dem es nachweislich zu Hypes kommt, sobald Musk mal wieder einen abseilt, kann man dies bei Aktienkursen nicht so einfach adaptieren. Ob sich der Tesla-Mann jetzt das Netzwerk schnappt oder auch nicht: Der Kurs wird vermutlich nicht explodieren – und dies weder nach unten oder oben. Wer aber bereits im Aktienhandel ist, kann dies als kleines Spielchen betrachten und mal ein paar Anteile kaufen, sollte jedoch nicht übertreiben. Wer jedoch nicht mit Aktien tradet, muss nicht automatisch zugreifen.

Etwas anders ist der Sachverhalt vielleicht beim Dogecoin, wobei auch hier eine Übersprungshandlung nicht empfehlenswert erscheint. Hier gibt es durchaus Stories von Kryptojüngern, die schnell waren und plötzlich wahnsinnig viele Coins in ihrer Wallet hatten, doch es gibt mindestens genauso viele Geschichten von Usern, die es nicht geschafft haben, diesen Batzen schließlich wieder gewinnbringend an den Mann zu bringen. Deshalb unser Rat an alle Coiner: Beobachtet den Markt wie immer ganz genau und seht den Dogecoin mehr als hochvolatile Spielerei. Ein wahres Langzeitinvestmentprojekt sollte hierdrauf nicht begründet werden. Der Flug zum Mond kommt bestimmt noch früh genug.