Der große Kryptobetrug via Telefon

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Zusammenfassung ↬

Seit Krypto Investments auch im Mainstream angekommen sind, geben sich Betrüger die größte Mühe Leuten zu schaden. Erfahre alles zum Telefon-Scam und nutze unsere Tipps um dich zu schützen.

Der Handel mit Bitcoin ist mit einigen Jahren Verzögerung nun auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Anders wäre es kaum zu erklären, dass das Thema BTC an öffentlichen Plätzen über Litfaßsäulen donnert, als kleiner Einspieler vor einem YouTube-Video aufpoppt oder sogar in der Fernsehwerbung erwähnt wird. Was Insider eher belustigt: Denn Bitcoin ist eigentlich gar kein richtiges Investment mehr – dergroße Hype ist bereits vorbei und andere Coins sehr viel spannender geworden (Wer das nicht glaubt, sollte unbedingt mal nach Solana, Polkadot oder Shiba Inu googeln).

Trotzdem muss man dem BTC zugutehalten, dass er der Steigbügelhalter für eine ganze Generation von Kryptowährungen war und ist. Und natürlich macht es auch weiterhin Sinn die Bitcoinentwicklung genauer zu verfolgen. Es gibt da deutliche Momente, an denen es sich durchaus noch lohnen kann, am Markt wieder mBTC einzukaufen oder auch mal größere Summen aus der eigenen Wallet in die Börse zu schleudern. Wer sich bereits seit Jahren mit dem Thema beschäftigt, macht doch eigentlich seither nichts anderes.

Sie kommen virtuell mit Schirm, Charme und Wallet

Leider ist nicht jeder Insider automatisch auch ein guter Mensch. Viele nutzen ihr Wissen über die Kryptowährung Bitcoin deshalb aus, um sich an Unwissenden zu bereichern. Bedingt durch die Tatsache, dass BTC wie angeklungen, den „Mainstream“ erreicht haben, öffnet dies Tür und Tor für eine riesige Bandbreite an potenziellen Verbrechern und Opfern.

Dabei ist der Bitcoin-Betrug am Telefon eigentlich gar kein neues Phänomen. Bereits 2019 berichtete der Focus über eine herzreißende Story, bei der einer alten Frau ihre gesamten Ersparnisse von einem „Bitcoinbetrüger“ geraubt wurden. Dabei hatte die Omi nicht einmal eine virtuelle Wallet. Es reichte die Transaktion via IBAN auf ein ausländisches Konto – ein fingierter BTC-Kauf also. True story, bro.

Was sich jedoch geändert hat, sind die Maschen der BTC-Agenten. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Muster, die sich immer wieder zeigen und wohl irgendwie auch Erfolg haben. An erster Stelle werden die potenziellen Opfer dort kontaktiert, wo sie nicht sofort weglaufen können: am Telefon. Wer also häufig an Gewinnspielen teilnimmt oder seine Handynummer gerne hinterlegt, erhöht damit seine eigene Wahrscheinlichkeit, von einem BTC-Agenten angerufen zu werden.

Als zweiter Punkt kommt dann eigentlich immer das Setting zum Tragen. Der äußerst charmante Anrufer (dabei rufen Frauen meistens Männer an und umgekehrt) gibt sich dann als Börsenmakler aus, der für eine deutsche Kryptobörse arbeitet und für wenig Geld ein lukratives Investment vorschlagen will. Dabei wird schon im „Begrüßungsgespräch“ direkt abgecheckt, wie kryptoaffin das Opfer wirklich ist. Das besonders fiese hierbei: Die Masche funktioniert sowohl bei Inhabern eines BTC-Wallets, aber auch bei Personen mit einfachem Bankkonto.

Hilfe zur Selbsthilfe: Der BTC-Agent erstellt auch gerne mal die Adresse

Dabei wird gerne auch mal Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Nachdem der Agent das Vertrauen seines Opfers erhalten hat, folgt Phase zwei. Jetzt muss das Geld ja irgendwie an den Betrüger kommen. Dafür gibt es natürlich die Möglichkeit einer direkten IBAN-Überweisung. Diese Methode wird auch eingesetzt, ist jedoch eher unüblich, da hier die meisten Anrufer bereits sensibilisiert sind und nicht an Fremde ihre Bankverbindung rausgeben – immerhin.

Allerdings gibt der charmante Agent auch gleich das nötige Rüstzeug mit an die Hand, wie man für sein versprochenes Investment eine digitale Wallet erstellen kann – kostenlos natürlich. Dabei spielt dem Agenten weiter in die Karten, dass sein Opfer bereitwillig mit einer ganzen Stange Kryptogeld gelockt werden kann. Sollte dieser Zweifel aufgrund des volatilen BTC-Kurses haben? Kein Problem, dann wird eben Ether, Tether oder eine andere Kryptowährung versprochen. Hauptsache der Rubel Coin rollt.

Ist dann die Wallet erstellt und das erste Geld weg, ist die Masche eigentlich auch schon gelaufen. Jetzt kann es je nach Betrugsmethode jedoch noch sein, dass der Agent weiter auf Zeit spielt. Denn über ein fingiertes Portal kann das Opfer die simulierten Kursverläufe munter verfolgen. Das perfide daran ist, dass der Fake meist einer seriösen Börse wie Binance sehr ähnlich sieht.

Schöne Gewinne, die aber leider nie existiert haben. So viel Mühe muss doch belohnt werden und deshalb ruft der Agent bei manchen Einzahlern auch zwei-, drei- oder sogar viermal an und fragt nach, ob nicht noch weiteres Geld nachgeschossen werden soll, um weiterhin große Kurssteigerungen zu ermöglichen. Alles im Namen der Kryptowährungen versteht sich.

Keine Postanschrift, keine Hotline – kein anderes Bier

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt, an dem das Opfer endlich auch mal an die erzielten Gewinne möchte. Jetzt wird der Kundenbetreuer angerufen oder auf dem Portal eine virtuelle Anfrage gestartet. Da folgt meist der erste Schreck: Denn die sogenannte Firma hat in der Regel weder eine Postanschrift (Briefkasten, haha) oder eine Telefonnummer (Kein Anschluss unter dieser Nummer, hihi). Und auf schriftliche Anfragen per Mail kommt meist nur die automatische Eingangsbestätigung zurück.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, bei der sich der Agent nochmal meldet. Er entschuldigt sich zunächst für alle Unannehmlichkeiten und sagt, dass das Konto leider gesperrt werden musste. Er den Fall aber vorliegen hat und gegen eine minimale Gebühr auch eine Entsperrung stattfindenkann und die Gewinne anschließend sofort ausgezahlt werden. Dabei müssten nur weitere Daten angegeben werden. Wer dann zum zweiten Mal auf diese Masche reinfällt, verliert dabei jedoch nicht nur das erste Geld, sondern jetzt auch noch weitere Daten, die dann anschließend wieder an Firmen verkauft werden können – ein Teufelskreis entsteht.

Schütz dich mit diesen 3 Tipps

Schließlich haben wir im oberen Teil den „Worst-Case“ durchgespielt. Dieses Szenario mag hart klingen, erwischt aber vor allem naive oder uninformierte Personen, die über das Thema Krypto nur aus den Mainstream-Medien erfahren haben und tatsächlich glauben, durch wenig Mühe schnell reich werden zu können. Leider ist es wie so oft im Leben: Ohne Fleiß, kein Preis! Sich selbst dagegen zu schützen ist aber gar nicht so schwer. Hier drei Tipps, damit der Kryptotelefonbetrug für dich gar kein Thema ist:

  1. Gib deine Telefonnummer nur bei seriösen Seiten und Gewinnspielen an (dazu zählt selbstverständlich auch die Handynummer). Sobald dir etwas dubios vorkommt: Lass es! Denn sonst landest du in einer Betrügerkartei und wirst permanent angerufen. Wenn es jedoch bereits zu spät ist, dann achte in Zukunft besser auf deine Daten!
  2. Keine Kryptos am Telefon kaufen. Ja, so einfach ist das wirklich. Warum sollte dich jemand anrufen und dir ein Investment anbieten? Leute werden sowieso generell skeptisch, wenn sie am Telefon kontaktiert werden. Und wieso sollte das bei so einer Geschichte anders sein? Also: Keine Geschäfte am Hörer abschließen.
  3. Die Kursverläufe checken. Ob Bitcoin, Ethereum, Tether oder Shiba Inu. Alle Entwicklungen finden sich im Internet oder lassen sich auf seriösen Börsen wie Binance betrachten. Warum also fremden Personen glauben, die dir das blaue vom Himmel versprechen? Wer sich gut über Kursverläufe informiert, hat schon immer einen Vorsprung gehabt und wird auch in Zukunft weniger anfällig für Betrug sein. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.