Bitcoin übersteigt Rubel zum ersten Mal

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Welchen Wert und welche Stellung haben Kryptos in Russland? Nachdem der Bitcoin erstmalig den Rubel überstieg, wollen wir dich diesbezüglich aufklären. Auch wenn dies eine Momentaufnahme war, ist das BTC Potenzial weiterhin riesig.

Welche Kryptogeschichte mag uns in den letzten Jahren noch schocken? Wenig Stories haben jedenfalls das Potential dazu. Eine dieser Erfolgsgeschichten ist wohl der Aufstieg des Bitcoins und seine weltweite Akzeptanz. Doch die Welt hat sich mittlerweile natürlich viel weiter gedreht. Andere Kryptowährungen wie etwa Tether, Monero oder Ethereumhaben den Satoshis etwas den Rang abgelaufen. Dafür gibt es viele Gründe: Die starken Kursschwankungen, die Übersättigung der Blockchain oder einfach nur unmenschliche Transaktionsgebühren. Selbst der Bitcoin hat sich dabei weiterentwickelt: Mit Bitcoin Cash (Abkürzung: BCH) ist bereits seit August 2017 ein alternativer Hard Fork am Markt, der sich von seinem Vorbild aber trotzdem irgendwie kaum unterscheidet.

Spannend sind da schon eher die Außengeschichten, die die Kryptowährung schreibt. Während wir bereits über die Einführung des BTC als offizielles Zahlungsmittel in El Salvador berichteten, gibt es derzeit noch eine weitere Evolution, die man so vor einigen Jahren nicht unbedingt vorhersagen konnte. Denn dieLandeswährung von Russland ist ziemlich am Arsch. Gut, bedingt durch den aktuellen Krieg in der Ukraine ist die Geldentwertung der Russischen Föderation auch wenig überraschend. Bereits in den letzten Jahren zementierte sich ein Absturz auf derzeit gerade einmal 0,8 Euro-Cent pro Rubel.

Dafür bekommt man in Deutschland nicht mal mehr ein Weizenbrötchen (wobei dieses durch den Krieg natürlich auch gerade deutlich teurer wird). Jedenfalls bildeten sich in den letzten Tagen lange Schlangen vor russischen Banken und der Staat hat die Ausgabe und Überweisung der Landeswährung stark reglementiert. Kein gutes Zeichen für die freie Marktwirtschaft. Da schielt der ein oder andere Russe durchaus wieder auf die Kryptowährung Bitcoin.

Bitcoin oder Rubel? Ein Vergleich, der stinkt

Natürlich lassen sich diese beiden Währungen nicht direkt vergleichen. Kein deutscher Anleger würde auf die Idee kommen: Ab jetzt kaufe ich mir mal ein paar Rubel und schaue mal, was diese in fünf Jahren noch wert sind. Das ist bei der Kryptowährung Bitcoin schon ganz anders. Auch wenn die ganz großen BTC-Goldgräberzeiten sicherlich auch vorbei sind, gibt es doch wieder gute Gründe in Bitcoin zu investieren. Denn im Gegensatz zum Rubel erholte sich der BTC von seiner kriegsbedingten Schwäche und notierte wieder knapp an der 40.000 Euro beziehungsweise 45.000 Dollar-Marke.

Spannend wird das Ganze eher, wenn man es aus russischer Sicht betrachtet: Noch nie war ein Investment für russische Bürger so zeitkritisch. Da die eigene Währung immer weiter abfällt, ist auch der Umtauschkurs in BTC immer weniger lukrativ. Je mehr also der Rubel wegbricht, desto weniger mBtc kommen beim Russen an – so einfach und tragisch ist das eben. Nur mal so in Zahlen: In den letzten Woche ist der Bitcoin um fast 14 Prozent gestiegen, sogar Ethereum hat einen Zuwachs von rund 12 Prozent erreicht. Dagegen verlor der Rubel mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorkriegsbeginn. Das sind klare Werte.

Wird der Kryptomarkt jetzt von russischen Käufern überschwemmt?

Eine Prognose, ob russische Bürger aufgrund ihrer dahinschmelzenden Währung jetzt alle in Kryptowährungen investieren könnten, fällt da schon einfacher. Obwohl – wie auch das Kriegsgeschehen sind auch diese Vorhersagen immer volatil. Beobachter fürchten jedenfalls, dass Russland mithilfe von Kryptowährungen den Rauswurf aus dem Swift-System umgehen könnte. Ein klassisches Beispiel hatten wir hier bereits mit dem Sozialstaat Nordkorea, der sein Rüstungs- und Militärprogramm mutmaßlich mit Kryptowährungen weiter finanzieren kann, obwohl auf ihm schwere Embargos lasten.

So könnten auch in der ehemaligen UdSSR quasi alle finanzpolitischen Maßnahmen gegen das eigene Land umgangen werden. Bereits jetzt lässt sich das russische Militär Spenden in Krypto-Geld überweisen. Russische Panzer – powered by Bitcoin? Man mag es sich kaum ausmalen. Derzeit prüft die EU auch deshalb Maßnahmen, um gegen eine Flucht der Russen in Kryptowährungen vorzugehen. Auch die USA veröffentlichte entsprechende Pläne und die Ukraine hatte zuletzt Krypto-Börsen dazu aufgefordert, alle russischen Adressen einzufrieren. Ob dieses Vorhaben allerdings fruchtet, darf stark angezweifelt werden. Denn auch viele russische Oligarchen nutzen die Vorzüge der digitalen, dezentralen Währungen und sind weiterhin potente internationale Zahlungspartner – auch wenn das viele europäische Unternehmen öffentlich nicht zugeben werden.

Darüber hinaus würde solch eine „Bitcoinzensur“ gegen alles sprechen, wofür die Währung eigentlich steht. Anonymität, Freiheit und Sicherheit sowie Unabhängig haben sich alle Bitcoin-User bereits seit Jahren auf die Fahnen geschrieben. Weshalb solle man also einen Teil der Gemeinde „per se“ ausschließen? Auch wird man dem Vermögen von Putin damit keinen Riegel vorschieben können. Der verfügt nach aktuellen Medienangaben zufolge ohnehin über genug finanzielle Reserven in US-Dollar. Zumindest noch.

Vorsicht vor unseriösen Rubelangeboten

Eigentlich müsste man es an dieser Stelle gar nicht erwähnen. Doch wo tiefer Fall ist, gab es in jüngster Vergangenheit meist auch wieder Aufwinde. Denn auch Kryptowährungen erholten sich meist nach einem Werteverfall wieder und stiegen zu neuer Höchstleistung empor. Beim Rubel ist dies jedoch komplett anders. Die eben nicht dezentrale Währung verliert schon seit Jahren kontinuierlich an Wert – trotz kurzer Lichtblicke. Ein kurzer Blick auf den Wechselkurs reicht auch für Nicht-Finanzexperten aus, um den tiefen Fall abschätzen können. Wer sich dagegen eingehend mit der Kryptothematik beschäftigt hat, der weiß bereits, dass Kursschwankungen hier völlig normal sein können und nach Regen schnell wieder Sonnenschein kommt.

Außerdem: Es ist ja auch ein großer Unterschied, ob man eine Währung als Wertanlage betrachtet. Wer sich viel an Flughäfen aufhält, sollte deshalb nicht auf die zahlreichen unseriösen Rubelangebote heranfallen. Zwar sind diese wohl nach neuer Rechtslage zunehmend illegal, trotzdem hält dies manche Drücker- und Provisionskolonnen nicht von dem Verkauf russischer Investmentfonds ab. Also Obacht: Man sollte immer auf seinen gesunden Menschenverstand vertrauen und Angebote, die zu wahr klingen um es auch zu sein, zwölfmal prüfen. Ähnlich ist es natürlich mit den zahlreichen unseriösen Bitcoinangeboten im Internet. Davon sollte man ebenfalls besser die Kryptofinger lassen…