Der Bitcoin Betrug hinter dem „Mega-Deal der Höhle der Löwen“

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Für Betrüger ist das Internet ein Meer unendlicher Möglichkeiten. Dabei geht es vor allem darum Seriosität zu schaffen. Wir zeigen dir den aktuellen Höhle der Löwen Scam der darauf abzielt, dich mit einem Bitcoin Vermögen zu locken.

Screenshot der Fake Höhle der Löwen anzeigeWas ist besser als schnelles Geld? Schnelles, digitales Geld! Und am besten in saftiger Kryptowährung und nicht etwa auf dem eigenen Bankkonto. Das Wissen haben auch Betrüger, deshalb gibt es im Internet so viele unseriöse Bitcoin-Angebote. Dabei ist die Masche eigentlich immer die Gleiche: Ein Portal bewirbt eine Tradingsoftware, mit der innerhalb weniger Tage mehrere tausend Euro gemacht werden können.

Oftmals soll zunächst nur ein kleiner Betrag von der Kreditkarte eingezahlt werden, der dann augenscheinlich bereits eine kleine Rendite auslöst. Damit soll dem User suggeriert werden, dass die Investition sofort erfolgreich war und eine noch größere, anschließende Summe beim zweiten Mal vermutlich auch noch mehr Bares abwirft. In Wahrheit ist jedoch bereits die erste Einzahlung passé und deine Coins vermutlich schon rund um den Globus gereist. Aber garantiert nicht mehr bei dir in der Wallet.

Warum wir die Höhle der Löwen lieben

Die Höhle der Löwen (auch kurz: DHDL) ist ein Reality-Format im Privatfernsehen, bei dem meist junge Startups vor fünf echte Investoren treten und hoffen, mit einer Erfindung oder großartigen Idee ein Investment für ihre Firma zu ergattern. Die Bandbreite reicht dabei von Fahrradrucksäcken mit Bierfach oder Toilettensitze mit Modem, bis hin zu wirklichen Innovationen wie selbstaufladende Straßenbeläge oder neuartige Technologien.

Sehr oft geht es dabei auch um Apps, die das Leben von uns erleichtern sollen. Dabei ist das Format familiengerecht aufbereitet und auch ohne große Wirtschaftskenntnisse schnell verständlich: Für eine festgelegte Summe x soll eine entsprechende Prozentzahl an einen Investor vergeben werden. Was allerdings noch nie vorkam, war ein Produkt aus der Kryptoszene. Ja, bis heute warten wir sehnsüchtig auf eine bahnbrechende Neuerung, die wir dann vielleicht mal abends in der Höhle präsentiert bekommen. Zwar gab es bereits verschiedene Finance Apps oder sogar Tradingsoftware – allerdings hatten diese weder mit Bitcoins, noch mit anderen Cryptos etwas zu tun.

Die Masche: Bitcointrader und alle werden reich (Juhu!)

Wie funktioniert also die Masche mit den Bitcoins und der Höhle der Löwen? Zunächst taucht irgendwo in den sozialen Medien (zum Beispiel Facebook, Twitter oder Instagram) eine Werbeanzeige auf. Darauf sind die Investoren der Sendung „Die Höhle der Löwen“ zu sehen. Ein Anstrich von Glaubwürdigkeit wird also direkt mittransportiert. Meist handelt es sich dabei sogar um eine Zeitungsanzeige aus der Welt, der Zeit oder eben BILD. Selbst Webseiten bauen die Betrüger dafür täuschend echt nach.

Dass die Domain jedoch eine andere ist, merken viele Nutzer nicht – vor allem wenn sie die Masche nicht bereits kennen. Wer folglich den Artikel liest, erfährt von einer scheinbar genialen Geschäftsidee und dem höchsten Deal, den es in dieser Show je gegeben hat. Die Abzocke beginnt also mit einer Sprache, die journalistisch wirklich gut aufbereitet wurde. Nun soll der User aber nicht bloß den Artikel lesen, sondern auch selbst aktiv werden. Deshalb finden sich im weiteren Verlauf des Fake-Artikels immer mehr Einblicke in das „Produkt“, mit dem Laien scheinbar sofort in Bitcoin investieren können und dabei kinderleicht Geld verdienen.

„Ach, Sie haben bereits Bitcoins?“ – Dann her damit!

Hier kommen nun zwei spannende Faktoren zusammen. Vielleicht hast du dich bereits in das Kryptothema eingelesen und wirklich überlegt, in BTC zu investieren. Dabei wirst du jedoch auch erfahren haben, dass die Goldgräberzeit längst vorbei ist und Bitcoin mehr ein Acid geworden ist, aber nicht mehr wirklich dazu taugt, ein Vermögen anzuhäufen. Hierfür gibt es zahlreiche weitere Coins, doch auch bei diesen ist es eher unwahrscheinlich, dass du noch zum Millionär wirst – sorry.

Allerdings gibt es durchaus Chancen, durch gutes Trading nette kleine Gewinne einzufahren. Dafür gibt es am Markt viele seriöse Plattformen, bei denen du eine Wallet erstellen kannst (oder sogar dein eigene nutzt) und anschließend vergleichbar dem Aktienhandel mit BTC oder anderen Kryptos handelst. Hier setzt wieder die Betrugsmasche an: Auch dort wird dir suggeriert, dass es heutzutage schwer ist, noch viel aus dem BTC zu pressen. Jedoch hat man hier ja nun bekanntlich das Patentrezept gebacken und Renditen von 10.000 Euro über Nacht sollen dabei ein Kinderspiel sein – natürlich.

Der Artikel verspricht ferner, dass du dich nicht lange in die Materie einlesen brauchst. Damit sollen schließlich noch zögerliche Kunden angesprochen werden. Und jetzt kommt der Turnaround: Denn auch der Journalist scheint von der Geschichte selbst begeistert zu sein. Aus dem redaktionellen Artikel wird jetzt ein Werbe- beziehungsweise „Call to Action“-Text.

Dein Glück ist nur noch einen Klick entfernt

Wie praktisch, dass der Journalist dir gleich einen Link dagelassen hat. Das Glück ist nur noch einen Klick beziehungsweise deine Kreditkartendaten entfernt. Außerdem findest du noch zahlreiche Erfolgsgeschichten mit den besten Stockfotos, die die Bilddatenbanken so hergeben. Eines muss man den Kryptobetrügern ja lassen: Mühe haben sich die Jungs und Mädels da gegeben. Denn wir kennen auch viel schlechtere Betrugsideen.

Hast du wirklich auf den Link geklickt (noch ist ja nichts passiert!), geht es nun um eine Registration beim Anbieter. Dabei greift die Big Data-Keule, denn neben deiner E-Mail-Adresse werden hierbei auch Handynummer und oftmals eine Meldeadresse abgefragt. All diese Daten kann das Betrügerunternehmen schon an andere Firmen verkaufen, damit ist Phase 1 des Betruges bereits erfolgreich abgeschlossen. Doch es geht natürlich noch weiter, denn jetzt willst du ja schließlich auch „traden“! Hier fällt auf, dass du an die Plattform nicht mit PayPal bezahlen kannst. Das ist zwar noch kein Ausschlusskriterium, denn auch viele seriöse Online Casinos bieten beispielsweise keine PayPal-Zahlung an, doch ist es auch nicht gerade ein Entgegenkommen in Sachen Sicherheit.

Sobald du Geld investierst, bist du der Höhle der Löwen-Abzocke vollständig auf den Leim gegangen. Denn deine Bitcoins siehst du garantiert nicht mehr wieder! Dir werden auch teilweise Gewinne mit deinen Trades anzeigt, doch sobald du diese auszahlen lassen willst, kommen dubiose Fehlermeldungen und am Ende passiert es eigentlich immer, dass die Seite nicht mehr erreichbar ist oder du wegen „Verstößen gegen die Fair Use Policy“ gesperrt wirst. Tja, dumm gelaufen.

Fazit: Jede Bitcoin-Tradingplattform vorher prüfen

Natürlich gab es auch nie einen Deal bei der Höhle der Löwen. Wenn du jetzt fieberhaft auf die Suche nach dem Deal warst, müssen wir dich also enttäuschen. Auch die Adresse der Betrügerfirma wird dir nicht weiterhelfen. Selbst wenn es ein Impressum gibt, ist dieses entweder frei erfunden oder leitet zu einer Briefkastenfirma. Deshalb unser Rat zum Schluss: Sollte ein Angebot für eine Bitcoin-Tradingplattform einfach zu gut klingen, um wahr zu sein, ist es das vermutlich auch. Niemand hat Geld zu verschenken und Gewinne in Tausenderhöhe pro Tag gehören in das Reich der Fabelwesen. Aber sei nicht ermutigt: Gute Tradingplattformen – übrigens nicht nur für Bitcoins – gibt es da draußen tatsächlich. Unsere Empfehlung an dieser Stelle lautet immer Coinbase. Neben dem frischen Design und der einfachen Handhabung, hat Coinbase eine BaFin Lizenz und gehört zu den sichersten Anbietern für Krypto Trading am globalen Markt.