Bitcoin als Altersvorsorge? Fidelity wagt es!

11 Minuten Lesezeit
#crypto#invest#bitcoin#global
Zusammenfassung ↬

Schnapsidee oder Geniestreich? Die mit Bitcoin angereicherte Altersvorsorge! Der MicroStrategy CEO und "Bitcoin König" Michael Saylor inspirierte den US-Vermögensverwalter Fidelity dasselbe zu tun.

Dass sich die wirtschaftlichen Zeiten durch das Internet und die Existenz diverser Kryptowährungen in den letzten 20 Jahren rapide verändert haben, ist kein Geheimnis mehr. Nachdem bereits Länder wie El Salvador den BTC als Landeswährung eingeführt haben und öffentliche Trading-Agenturen die Konvertierung von Staatswährungen in Cryptos erlauben, dürfte auch der letzte Mensch verstanden haben, dass Kryptowährungen ein ernstzunehmendes Thema sind.

Woran sich jedoch noch kaum jemand getraut hat, war bis vor kurzem das Thema Altersvorsorge. Logisch, denn das Kryptogeschäft ist doch häufig nur als „Hype“ oder Erscheinung der Digital Natives verschrien, demgegenüber sich ältere Semester eher auf die Anlage von Gold, Aktien oder Immobilien verlassen. Damit könnte jedoch bald Schluss sein, zumindest in den USA.

Der Vermögensverwalter bringt Bitcoin in die Altersvorsorge

Ob man es nun als Leuchtturmprojekt oder wirklich bahnbrechende Idee betrachten kann, wird die Zukunft zeigen. Doch der US-Vermögensverwalter Fidelity hat den Sprung gewagt und ermöglicht es seit kurzem, sein Vermögen für die Altersvorsorge teilweise in die Krypto-Leitwährung Bitcoin zu investieren. Das ist schon erstaunlich, wurde jedoch jetzt in den USA im Rahmen des 401(k)-Anlageplans für die Rente erstmals verfügbar. Dabei wird sowohl Privatanlegern aber auch Unternehmen die Chance gegeben, ihr Vermögen mit BTC für das Alter vorzusorgen.

Als Bitcoin-Enthusiast sprang bereits MicroStrategy-Chef Michael Saylor direkt auf den Zug auf und implementiere ein System für alle Mitarbeiter seiner US-Softwarefirma. „Bitcoin ist das perfekte Asset für den Ruhestand“, wird Saylor bereits jetzts von amerikanischen Medien zitiert. In der Tat könnte das Vorhaben eine Art Pionierrolle einnehmen – sollte der Plan von Fidelity aufgehen. Dabei sieht der 401(k)-Anlageplan in erster Linie vor, zunächst nur einen Teil seiner Altersvorsorge in Bitcoin zu investieren. Das hat den großen Vorteil, volatile Kursveränderungen zu vermeiden und birgt weniger Risiko, seine gesamte Vorsorge nur auf ein Zugpferd zu setzen.

Das besondere Extra an diesem Anlageplan ist vor allem, dass er branchenübergreifend funktioniert und nicht allein „digitalen“ Firmen vorbehalten bleibt. Natürlich können wir davon ausgehen, dass große Unternehmen wie Google, Microsoft oder Apple diese Entwicklung genauer betrachten und ihren Mitarbeitern sehr schnell ein ähnliches Angebot machen könnten – aber auch Firmen die gar nicht aus der virtuellen Welt kommen, können so nun allen US-Bürgern ihre Altersvorsorge in BTC anbieten. Ein fantastischer, erster Schritt.

MicroStrategy ist Vorreiter – CEO Saylor sieht „Riesenchance“ fürs Alter

Dabei ist der Fidelity-Plan zunächst nur ein Teil des vom Arbeitgeber mitfinanzierten Modells zur privaten Altersvorsorge in den USA. Es legt also den regulatorischen und juristischen Rahmen für die BTC-Altersvorsorge. Wie dann jedoch die genaue Ausgestaltung des Anlageplans aussieht – das bleibt jedem Unternehmen und jeder Firma sogar selbst überlassen.

Der Vorreiter ist hier ganz klar die US-Softwarefirma MicroStrategy, deren CEO und Chairman Michael Saylor sofort Feuer und Flamme für die Idee war. Er sprach in Interviews nicht nur von einer „Riesenchance“ für die private Vorsorge, sondern unisono auch für „die Förderung der Entwicklung des Bitcoin-Ökosystems für institutionelle Anleger.“ Dabei lobt Michael Saylor im selben Atemzug auch die Zusammenarbeit mit dem „innovativen“ Unternehmen Fidelity, welches diesen Sprung gewagt hat.

So ganz aus dem luftleeren Raum kam diese Idee jedoch scheinbar nicht: Laut einer Studie – die von Fidelity in Auftrag gegeben wurde – würden bereits 30 Prozent der befragten institutionellen Anleger in den USA ein Anlageprodukt mit digitalen Assets bevorzugen. Eine interessante Quote. Branchenintern spricht man bei MicroStrategy-CEO Michael Saylor sogar bereits vom sogenannten „Bitcoin-König“. Bei der Altersvorsorge in BTC geht er nun noch einen Schritt weiter: „Der Bitcoin ist digitales Eigentum und das macht ihn zu einem perfekten Asset für einen Pensionsplan. Es ist weniger riskant als Anleihen, als Aktien, als Gewerbeimmobilien, sogar als Gold“, sagte Saylor in einem Interview mit dem US-Sender „CNBC“.

Zwar ist sein Unternehmen MicroStrategy eigentlich auf Business-Intelligence-Lösungen spezialisiert, doch hat der Softwarehersteller den Bitcoin bereits zu einem zentralen Teil seiner Unternehmensstrategie gemacht und begann im August 2020 damit, in bedeutendem Umfang Rücklagen in BTC zu investieren. Seitdem verziert Saylor die meisten seiner Tweets mit der Kaufempfehlung für die Cyberwährung und hat so seinen Spitznamen „Bitcoin-König Saylor“ zurecht bekommen. Eine Freundschaft mit Elon Musk – dem neuen Twitter-Mogul – ist dabei übrigens auch für Außenstehende kaum verwunderlich.

Und die Gefahren? Es kommt darauf an!

Natürlich wird in allem Guten auch immer das Schlechte gesucht. So gibt es bei der Bitcoin-Altersvorsorge selbstverständlich kritische Stimmen, die das Vorhaben von Fidelity verteufeln. Um die Argumente zu verstehen, muss man schon ein bisschen weiter ausholen.

Ein Hauptaspekt, der von Kritikern immer wieder in den Raum geworfen wird, ist dabei die Korrelation zwischen Bitcoin und Aktien. So hatte beispielsweise der internationale Währungsfond (IWF) im Januar 2022 darauf verwiesen, dass Kryptowährungen zwar vor der Pandemie nur eine geringe Korrelation mit den großen Aktienindizes gezeigt hatten, nachdem die Notenbank jedoch mit Zinssenkungen auf den Corona-Crash reagierte, habe hier dann eine Trendwende eingesetzt und sowohl Kryptokurse als auch die US-Aktien seien wieder gestiegen.

Dies deute darauf hin, dass die Vorteile im Gegensatz zu den anfänglichen Annahmen nur begrenzt sind. Schlimmer noch: Das IWF warnte sogar davor, dass sich negative Entwicklungen am Kryptomarkt auch auf den Aktienmarkt übertragen und zu dessen Destabilisierung führen könnten. Dieser „Risk-off-Asset“-Effekt würde eine Negativspirale erzeugen, in der sich nicht nur die BTC-Währung, sondern auch das Aktienkapital entladen könnte.

Aber auch diese Haltung ist wiederum sehr umstritten. Auf Deutschland oder die EU übertragen, können wir uns die Entwicklung sowieso ganz entspannt anschauen. Bis wir hier überhaupt von Altersvorsorge mit BTC sprechen können, wird sich die ganze Geschichte in den USA entweder etabliert haben oder wieder gestoppt sein. Es zeigt sich jedoch erneut, dass andere Staaten durchaus das Potential der Kryptowährungen erkannt haben und daraus ihre eigenen Schlüsse ziehen. Nun muss man natürlich auch die amerikanische Mentalität mit einpreisen, bei der private Kranken- und Altersvorsorge einen sehr (!) viel höheren Stellenwert als hierzulande genießt.

Doch wenn der Anlageplan von Fidelity aufgeht, können amerikanische Bürger tatsächlich vom BTC profitieren. Auch da wird Deutschland dann wohl wieder abgehangen werden oder es bleibt eine Nische, die von Vereinzelten ausgenutzt wird. Denn dies hindert ja bekanntlich niemanden: Auch jetzt kann man sich schon etwas an Kryptos für das Alter zurücklegen. Man sollte es allerdings – sofern wir uns im Spielraum der BTC bewegen – eher als Asset, denn als wirkliche Wertsteigerung verstehen. Mehrgleisig zu fahren wird die Zukunft sein – und wir werden sie genau verfolgen!